Home
Up

Eine deutschsprachige Fassung des Artikels von Paul McPhillips
finden Sie in Ausgabe 6 von Write Now.

Über den Verfasser: Paul McPhillips kann mehr als fünfzehn Jahre Erfahrung in der Pharmaindustrie vorweisen. Bei Glaxo war er in der Abteilung Regulatory Affairs tätig, bei Bristol-Myers Squibb in der Klinischen Forschung. Vor vier Jahren nutzte Paul McPhillips dann seine ehrenamtliche Tätigkeit als Mitherausgeber von Clinical Research Focus als Sprungbrett zu einer neuen freiberuflichen Karriere. Heute verwendet er seine Zeit jeweils zur Hälfte auf Clinical Research Focus und auf seine Tätigkeit als Berater für klinische Forschung.
E-Mail: paul.mcphillips@btinternet.com

Der Inhalt ist König – aber auch die Form muss stimmen

1967 sagte Marshall McLuhan: "Das Medium ist die Botschaft." Damals sprach er zwar über die Auswirkungen des Fernsehens, aber dies ist auch heute noch ein zum Nachdenken anregender und einprägsamer Satz. Geraume Zeit später und auf einem fortgeschritteneren Stand der Technik prägte Sun Microsystems einen ähnlichen Werbespruch: "Das Netz ist der Computer." Damals fiel es wahrscheinlich vielen Computerbenutzern noch schwer zu verstehen, was gemeint war, und selbst Bill Gates unterschätzte anfangs die potenziellen Auswirkungen des Internets. Heute jedoch scheint Suns einfacher Slogan leichter nachvollziehbar. In diesem Sinne sollte ich es vielleicht mit folgendem Spruch versuchen: "Die Wissensgrundlagen sind das Medikament." Das mag einmal gestimmt haben, als Medikamente noch mit geringem Aufwand hergestellt wurden und es das geistige Eigentum und die klinische Erfahrung waren, die die Kunden kauften, und nicht die teuren und zielgerichteten Produkte der Biotechnologie, die wir heute häufig sehen.

Meine Arbeit bringt es mit sich, dass ich häufig daran erinnert werde, dass das Medium die Botschaft ist. Ich bin der Redaktionsleiter des Clinical Research Focus, der Zeitschrift des Institute of Clinical Research (früher ACRPI genannt). Es wird häufig gesagt, dass Naturwissenschaftler nicht gut schreiben können. Ich würde mich freuen, wenn ich sagen könnte, dass das nicht stimmt. Leider kommen jedoch auf jedes Manuskript, das das alte Klischee Lügen straft, etliche andere, die seine Richtigkeit bestätigen. Dabei bin ich mir allerdings dessen bewusst, dass ich den Schriften stets in ihrem schlechtesten Licht begegne. Häufig erscheint der Text allein seiner Form wegen wenig verheißungsvoll. Artikel werden häufig in dichten Spalten eng beschriebener Absätze eingereicht, die den Leser nicht für sich einnehmen. Kann es sein, dass der Inhalt hinter seiner Präsentation verschwindet, dass die Form über die Substanz triumphiert? Meines Erachtens ist es der Inhalt, der König ist. Wie jedoch alle Zeitungen wissen, muss man den Leser für sich gewinnen und für den Inhalt einnehmen, den er lesen soll.

Das scheint einfach, doch eine der Maßnahmen, die wir bei der Bearbeitung eines Artikels neben der Korrektur als erstes treffen, ist, den Text zu formatieren, um ihn für den Leser reizvoller zu gestalten. Lange Absätze werden unterteilt, es werden Unterüberschriften eingeführt, augenfällige Sätze werden herausgezogen, und längere Zitate und Listen werden in Punkten gegliedert. Im endgültigen Layout kann dann mit Farben gearbeitet oder der Text durch Fotos, Tabellen oder sogar Werbeanzeigen aufgelockert werden. Ich habe häufig mit Autoren gesprochen, die vom Endergebnis begeistert waren und ihre eigene Arbeit kaum noch wiedererkannten. Diese Transformation ist Teil eines weiteren Effekts: allein die Tatsache der Veröffentlichung verleiht der Arbeit eine bestimmte Legitimation. "Jemand hat diese Arbeit gelesen und ist zu der Einschätzung gelangt, sie sei gut genug für die Veröffentlichung in einer Zeitschrift." Das Medium ist wahrlich die Botschaft.

Heute können Autoren ihre Leser auf sich und ihre Arbeiten aufmerksam machen, indem sie die einzigartigen Chancen nutzen, die ihnen die Webtechnologie bietet. Neben all den bekannten Formatierungstricks, die auch auf Papier möglich sind, kann man hier nicht nur Hyperlinks hinzufügen, mit denen man auf andere Websites gelangt, sondern auch Ton, Video oder Animation. Sind Sie immer noch skeptisch? Meinen Sie "www" stehe für "weltweites Warten", das Internet sei zu langsam, so dass Leser keine Lust hätten zu warten, bis derartige Spielereien heruntergeladen sind? Nun, die Technik verzeichnet schnelle Fortschritte. Während Sie diesen Artikel lesen, bringt die British Telecom bereits landesweit den Asymmetric Digital Subscriber Link (ADSL) heraus, mit dem auch Privathaushalte die Möglichkeit haben, eine stehende schnelle Verbindung zum Internet zu unterhalten, mit der das Herunterladen wesentlich schneller geht als mit den schnellsten heutzutage erhältlichen Modems.

Es mag ja richtig sein, Autoren darauf hinzuweisen, dass sie nicht nur auf den Inhalt, sondern auch auf die Form achten sollen, aber wie ist es mit wissenschaftlichen Gutachten? Sind z.B. Medizinern ihre ansonsten doch kreativen Hände gebunden, da das Format festgelegt ist und die Leserschaft trockene und wissenschaftliche Artikel geradezu verlangt? Ich bin der Ansicht, dass hier durchaus noch einiges verbessert werden könnte, da das Ziel eines jeden schriftlichen Gutachtens schließlich die Kommunikation mit dem Leser ist. Es gibt bereits deutliche Anzeichen dafür, dass technologische Lösungen begrüßt werden. Einer der wichtigsten Empfänger medizinischer Gutachten ist die amerikanische Food and Drug Administration (FDA). Ein Antrag auf Zulassung eines neuen Medikaments kann etliche tausend Seiten umfassen. Um dieser Papierflut Herr werden zu können, hat die FDA jetzt Richtlinien herausgegeben, nach denen es zulässig ist, computerunterstützte Anträge und Dokumente im Portable Document Format (PDF) einzureichen. Ich denke, dass dies ein sehr deutliches Zeichen setzt, wenn es selbst Behörden leichter fällt, sich in digitalen Dokumenten zurechtzufinden. Jeder aufgeweckte und fortschrittliche Autor sollte daher alle Möglichkeiten nutzen, seine Dokumente so zu gestalten, dass sie sich leichter handhaben lassen. So werden auch seine Gedanken leichter aufgegriffen werden können.

Das Medium ist die Botschaft, das Netz ist der Computer. Und wenn Sie jetzt daran denken, "Die Wissensgrundlagen sind das Medikament" zu benutzen, so sollten Sie bedenken, dass dies zwar nur ein abgeleiteter Spruch ist, aber dass ich ihn als erster ersonnen habe.

 

Wären Sie an weiteren deutschsprachigen Artikeln auf dieser Website interessiert? Bitte teilen Sie uns mit, wie Sie darüber denken. Sie erreichen uns unter..... contact

© MWS, 2000
Email: enquiries@e-mws.com
Telephone: +44-(0)1298-26480